Wie wird ein Altlastenkataster erstellt?

Ein Altlastenkataster ist ein systematisches Verzeichnis aller Flächen, die potenziell durch Schadstoffe belastet sind. Es dient als wichtiges Instrument zur Identifikation, Bewertung und Sanierung von Altlasten. Die Erstellung eines Altlastenkatasters ist ein komplexer Prozess, der eine Vielzahl von Aufgaben und Abläufen umfasst. In diesem Artikel wird detailliert beschrieben, wie ein Altlastenkataster erstellt wird und welche Schritte dabei zu beachten sind.

Vorbereitung und Planung

Zielsetzung und Umfang

Der erste Schritt bei der Erstellung eines Altlastenkatasters ist die Festlegung der Zielsetzung und des Umfangs des Projekts. Dabei müssen folgende Fragen geklärt werden:

  • Zielsetzung: Was soll mit dem Altlastenkataster erreicht werden? Soll es als Planungsinstrument dienen oder zur Dokumentation und Sanierung bestehender Altlasten?
  • Umfang: Welche Gebiete und Flächen sollen untersucht werden? Handelt es sich um ein spezifisches Industriegebiet oder um eine gesamte Gemeinde?

Informationsbeschaffung

Bevor mit der eigentlichen Erstellung des Altlastenkatasters begonnen wird, muss eine ausführliche Informationsbeschaffung erfolgen:

  • Behördliche Daten: Anfragen bei zuständigen Behörden wie Umweltämtern oder Katasterämtern, um bestehende Informationen über potenziell belastete Flächen zu erhalten.
  • Historische Recherchen: Untersuchung von historischen Karten, Luftbildern und anderen Dokumenten, um frühere Nutzungen der Flächen zu identifizieren, die auf mögliche Altlasten hinweisen könnten.
  • Unternehmensarchive: Kontaktaufnahme mit Unternehmen und Einrichtungen, die in den betreffenden Gebieten tätig waren oder sind, um Informationen über den Umgang mit Schadstoffen zu erhalten.

Erfassung und Dokumentation potenziell belasteter Flächen

Systematische Erfassung

Die systematische Erfassung potenziell belasteter Flächen ist ein zentraler Bestandteil der Erstellung eines Altlastenkatasters. Hierzu werden verschiedene Methoden angewendet:

  • Vor-Ort-Besichtigungen: Durch Begehungen der Verdachtsflächen können erste Einschätzungen vorgenommen und oberflächliche Anzeichen von Kontaminationen dokumentiert werden.
  • Interviews: Gespräche mit ehemaligen oder aktuellen Nutzern der Flächen sowie mit Anwohnern können wichtige Hinweise auf mögliche Altlasten geben.
  • Kartierung: Die potenziell belasteten Flächen werden in Karten eingezeichnet und alle relevanten Informationen (z.B. Art der Nutzung, Verdachtsmomente) werden dokumentiert.

Datenbankerstellung

Alle gesammelten Informationen werden in einer zentralen Datenbank zusammengefasst:

  • Eingabemasken: Für die strukturierte Erfassung der Daten werden standardisierte Eingabemasken verwendet, die eine konsistente Dokumentation sicherstellen.
  • Geoinformationssysteme (GIS): Moderne Altlastenkataster nutzen GIS-Technologien, um die erfassten Daten zu visualisieren und räumliche Analysen zu ermöglichen.
  • Metadaten: Alle Einträge werden mit Metadaten versehen, die Informationen über die Quelle der Daten, das Erfassungsdatum und die Verantwortlichen liefern.

Bewertung der Verdachtsflächen

Priorisierung

Die erfassten Flächen werden anhand bestimmter Kriterien priorisiert:

  • Gefährdungspotenzial: Bewertung des Gefährdungspotenzials für Mensch und Umwelt, beispielsweise durch die Art und Menge der vermuteten Schadstoffe oder die Nähe zu Wohngebieten und Gewässern.
  • Nutzungsdruck: Flächen, die für Wohnbebauung, Schulen oder andere sensible Nutzungen vorgesehen sind, werden höher priorisiert.
  • Vergangenheit der Fläche: Flächen mit bekannter industrieller oder gewerblicher Nutzung in der Vergangenheit erhalten höhere Priorität.

Detailuntersuchungen

Für die priorisierten Flächen werden detaillierte Untersuchungen durchgeführt:

  • Bodenproben: Entnahme von Bodenproben in verschiedenen Tiefen zur Analyse auf Schadstoffe.
  • Grundwasseruntersuchungen: Untersuchung des Grundwassers auf Kontaminationen durch Chemikalien oder Schwermetalle.
  • Geophysikalische Messungen: Einsatz von geophysikalischen Methoden wie Bodenradar oder Magnetometrie zur Erkennung unterirdischer Strukturen und Anomalien.

Risikobewertung

Auf Basis der Detailuntersuchungen wird eine umfassende Risikobewertung durchgeführt:

  • Human- und Ökotoxikologische Bewertung: Einschätzung der gesundheitlichen Risiken für Menschen und der ökologischen Risiken für Pflanzen, Tiere und Gewässer.
  • Risikomodelle: Verwendung von Risikomodellen und -berechnungen zur quantitativen Bewertung der Gefahren.
  • Gefahrenabwehr: Empfehlungen für Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr, sofern akute Risiken identifiziert werden.

Dokumentation und Reporting

Berichterstellung

Die Ergebnisse der Erfassung, Untersuchung und Bewertung werden in umfangreichen Berichten dokumentiert:

  • Zusammenfassende Berichte: Übersichtliche Darstellung der wichtigsten Befunde und Empfehlungen für jede untersuchte Fläche.
  • Detailberichte: Ausführliche Berichte zu den durchgeführten Untersuchungen, inklusive aller Protokolle, Messdaten und Analysen.
  • Risikokommunikation: Darstellung der Risiken und empfohlenen Maßnahmen in einer verständlichen Form, die auch für Laien nachvollziehbar ist.

Verfügbarmachung der Daten

Die erstellten Dokumentationen und Berichte werden den zuständigen Behörden und Interessengruppen zur Verfügung gestellt:

  • Behörden: Zuständige Umwelt- und Planungsbehörden erhalten Zugang zu den Daten für ihre weitere Arbeit.
  • Öffentlichkeit: Im Rahmen der Umweltinformationsgesetze kann auch die Öffentlichkeit Zugang zu den Informationen erhalten, um Transparenz zu gewährleisten.
  • Eigentümer und Nutzer: Informierung der betroffenen Grundstückseigentümer und Nutzer über die Ergebnisse und mögliche Handlungsbedarfe.

Maßnahmenplanung und Sanierung

Sanierungskonzepte

Auf Basis der Risikobewertung werden Konzepte zur Sanierung der belasteten Flächen entwickelt:

  • Sanierungsmethoden: Auswahl geeigneter Sanierungsmethoden, wie z.B. Bodenaustausch, Bodenluftabsaugung oder Phytosanierung.
  • Kostenplanung: Erstellung einer detaillierten Kostenschätzung für die Durchführung der Sanierungsmaßnahmen.
  • Projektplanung: Planung der zeitlichen Abläufe und Organisation der notwendigen Ressourcen für die Sanierung.

Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen

Die Umsetzung der geplanten Sanierungsmaßnahmen wird in einem strukturierten Prozess durchgeführt:

  • Ausschreibung und Vergabe: Durchführung von Ausschreibungen für die Vergabe der Sanierungsarbeiten an spezialisierte Unternehmen.
  • Überwachung: Kontinuierliche Überwachung der Sanierungsarbeiten durch Fachleute, um die Einhaltung der Schutzmaßnahmen und die Wirksamkeit der Sanierung zu gewährleisten.
  • Dokumentation: Lückenlose Dokumentation aller Arbeitsschritte und Zwischenergebnisse zur Qualitätssicherung und Nachvollziehbarkeit.

Erfolgskontrolle und Nachsorge

Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten erfolgt eine umfassende Erfolgskontrolle:

  • Abschlussuntersuchungen: Durchführung von Untersuchungen zur Überprüfung der Wirksamkeit der Sanierungsmaßnahmen.
  • Nachsorge: Planung und Implementierung von Nachsorgemaßnahmen, wie z.B. regelmäßige Boden- und Grundwasserüberwachungen, um langfristig die Sicherheit und Unbedenklichkeit der Flächen zu gewährleisten.

Fazit

Die Erstellung eines Altlastenkatasters ist ein wichtiger und komplexer Prozess, der eine Vielzahl von Aufgaben und Schritten umfasst. Von der Vorbereitung und Informationsbeschaffung über die Erfassung und Bewertung potenziell belasteter Flächen bis hin zur Planung und Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen ist eine systematische Vorgehensweise unerlässlich. Ein gut strukturiertes Altlastenkataster trägt wesentlich zur Identifikation und Sanierung von Altlasten bei und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, zur Sicherung der öffentlichen Gesundheit und zum Werterhalt von Immobilien.

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